Wochenendtrip ins Veneto

Wochenendtrip ins Veneto

Wochenendtrip ins Veneto

Von Marius:

DIE LETZTE BRIESE MEERESLUFT

Spontan haben uns letzte Woche Freunde gefragt, ob wir Lust hätten das verlängerte Wochenende mit zu Ihrem Haus nach Italien zu fahren. Lust hatten wir sofort und das Veneto ist speziell um diese Jahreszeit ein Traum, aber eigentlich hatten wir uns mental bereits auf den ersten Skitag eingestellt, begeisterte Skifahrer können nun die Gewissensbisse, welche uns durchdrangen, nachvollziehen. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns für den Süden und es ging Freitag Abend nach der Arbeit Richtung Italien.

Das Haus meines Freundes liegt direkt bei Bassano di Grappa und somit an den Ausläufern der Alpen und nahe der Lagune di Venezia. Nach fünf Stunden kommen wir mitten in der Nacht an und fallen sofort ins Bus-Bett, bevor wir am nächsten Morgen mit Sonnenstrahlen, angenehm milden Temperaturen und der Farbenpracht des italienischen Herbstes in den Tag starten.
Das Haus, ein ehemaliger Hof, ist eingebettet in einem wunderschönen mediterranen Garten, in dem Granatäpfel, Feigen und sogar Bananen wachsen. Hier kommt übrigends auch Lotta, unsere Labrador Hündin her, denn ihr Papa lebt bei den Nachbarn. Letztes Jahr an Ostern erfuhren wir, dass er und eine Hündin aus dem Dorf Hundewelpen hatten, wie man sich denken kann kamen wir dem Anblick dieser 3-Tage alten Raselbande nicht aus. Dies nun war das erste Wiedersehen nach 1,5 Jahren und somit ein spannendes Ereignis, mehr für uns als wie für Lotta und ihren Papa, die waren einfach nur glücklich einen Spielpartner auf Augenhöhe zu treffen.

Der Plan für den heutigen Samstag konnte kaum italienischer sein. So starteten wir mit einem oder zwei Cappuccini, viel Kuchen und intensiven Gesprächen bei den Nachbarn. Danach ging es zu einer kleinen Olivenmühle, gerade ist Olivensaison und die Bauern der Umgebung lassen dort ihre Olivenernte in leuchtend grünes, frisches Öl pressen. Hier kann man den kompletten Prozess vom Mahlstein über das Belegen der Textilmatten, Pressen und Zentrifugieren live miterleben. Man trifft sich außerdem bei einem kleinen Pläuschen – ganz italienisch eben. Wir packen Öl und verschiedene Olivenpasten ein und ziehen weiter Richtung Mittagessen.

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Mein Freund hat hier schon klar etwas im Kopf, in Monfuma gibt es das kleines Restaurant „Osteria la Baracca“oberhalb eines malerischen Tals mit traditioneller und saisonaler Küche aus dem Veneto. Der Blick von der kleinen Terrasse ist fantastisch und die Sonne strahlt uns direkt ins Gesicht. Das Essen ist wirklich fabelhaft: zur Vorspeise bestellen wir eine Käseplatte mit Käse aus der Region und verschiedenen Marmeladen und Honig. Anschließend gibt es Kürbis-Gnocchi mit Walnüssen und geräuchertem Ricotta oder Pilzrisotto und als Dessert ein unglaublich leckeres Tiramisu.
Weiter geht es zum Vespa Händler.

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Vespas boomen ja schon seit Jahren, aber dieser Händler hat mit seiner Passion schon vor Jahrzehnten begonnen. Inzwischen übernimmt die junge Generation den Lenker und führt den traditionellen Betrieb weiter. Vom Scheunenfund zum restaurierten Klassiker ist das Credo und so stehen hier Schätze und welche die es noch werden wollen. Leider ist selbst in Italien die gute Konjunktur für diese Flitzer bekannt, daher kann man wirkliche Schnäppchen auch hier nicht mehr bekommen, dennoch ist ein Besuch bei hier sehr lohnenswert.

Da mein Freund und dessen Freundin vor haben noch weiter in den Süden zu fahren und wir nur das Wochenende zur Verfügung haben, trennen sich hier unsere Wege und wir machen uns auf in Richtung Lido di Jesolo. Noch nie war ich in diesem touristischen Stück an der Adria Italiens. Meinen Eltern war stets daran gelegen klassische Touristenregionen zu meiden und die Länder dort zu erleben, wo sie am spannenden sind, mitten im Leben unbeeinflusst durch zahlungskräftige Besucher. Dies ging wohl auch in mich über, dennoch interessiert mich was den Reiz dieser Gegend ausmacht. So ein wirklich typisches Bild blieb uns aber aus, da hier schon die meisten Türen geschlossen sind, es ist schließlich Ende Oktober und keine Saison mehr.

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Hier am Ende dieser Landzuge ist ein Parkplatz, den man als Camper abseits der Saison hervorragend nutzen kann. Er liegt direkt am Strand (Hundestrand), ohne Schirme und Liegen, an dem wir am nächsten Morgen den Sonnenaufgang bewundern konnten. Es ist immer wieder fantastisch zu sehen wie dieser glühende Ball aus dem Meer empor steigt und sich die Lichtstimmung von Minute zu Minute ändert. Unser nächtliches Lager liegt außerdem nah an dem Ablegesteg der Fähren nach Venedig, was für uns heute auf dem Plan stand. Leider dürfen Hunde hier nur mit Maulkorb mitfahren, da wir so etwas nicht haben musste Venedig dieses Mal auf uns verzichten.

Kurzerhand gab es einen Ausweichplan welcher uns nach Triest führte. Beide waren wir hier noch nie und der Weg später zurück über die Tauernautobahn war eh eine gute und zugleich neue Alternative für uns. Nach gut einer Stunde wechselten wir von der Autobahn auf die am Meer entlang führende Straße. Wieder zurück im Italien unserer Herzen genossen wie die Sonne, den Weitblick über das funkelnde Meer und die vielen Fischerboote. Triest selbst überraschte uns, am mondäne Stand und Hafen standen Prunkbauten aus einer einst reichen Hafenstadtzeit. Einige nette Läden und Cafés beschränkten sich auf den Kern. Speziell eine Passage hat es uns angetan, in der ein Restaurant „DRAW“, eine Chocolaterie und ein Museum war. Hier entsteht wohl die kommende, hoffentlich wachsende, Szene dieser sonst schlafenden Stadt. Unser Stadtrundgang endete und wir entschlossen diesen schönen Trip mit einem Nachmittags-Sonnenbad abzuschließen, ehe wir uns wieder zurück in den Spätherbst begeben.

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An der langen durch die Stadt führenden Promenade schwomm der ein oder andere Triester seine letzten Züge im Meer. Warum eigentlich nicht? Ab ins kühle Nass und das letzte mal Salz auf der Haut und in den Haaren spüren und sich von der angenehmen warmen Sonne trocknen lassen. Gestärkt mit einer mediterranen Jause ging es dann wieder zurück nach München. Schön wars.

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