Vorher Teil 3: Wale beobachten in Hermanus lesen
Nach zwei wunderschönen Tagen in Hermanus, unzähligen Walbeobachtungen und der sattgrünen Küstenlandschaft verlassen wir das Meer und machen uns auf den Weg ins Landesinnere. Unser nächstes Ziel ist die Kleine Karoo, eine faszinierende Halbwüstenlandschaft zwischen mächtigen Gebirgszügen, kleinen Farmen und scheinbar endlosen Straßen.
Die Fahrt ist Teil unserer individuell geplanten Südafrika-Reise mit For Family Reisen, die uns von Kapstadt entlang der Garden Route bis nach Port Elizabeth führt. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie unglaublich abwechslungsreich dieses Land ist. Kaum haben wir die Küste hinter uns gelassen, verändert sich die Landschaft innerhalb weniger Kilometer vollständig.
Von der grünen Küste in die trockene Kleine Karoo
Zunächst führt uns die Straße durch weite Felder und sanfte Hügel. Jetzt im südafrikanischen Winter ist die Landschaft unglaublich grün. Überall wachsen Getreide und Raps, dazwischen leuchten gelbe Blütenfelder und vereinzelte Farmhäuser liegen wie kleine Inseln in der weiten Landschaft. Je weiter wir ins Landesinnere fahren, desto mächtiger werden die Berge, die sich vor uns auftürmen.

Schließlich erreichen wir den Kogmanskloof Pass bei Montagu. Die Straße führt durch eine beeindruckende Schlucht, deren steile Felswände uns links und rechts begleiten. Hinter jeder Kurve eröffnet sich ein neuer Blick auf die zerklüfteten Berge. Und dann verändert sich plötzlich alles. Die saftig grünen Felder weichen einer trockenen, beinahe kargen Landschaft. Niedrige Büsche, vereinzelte Bäume und rötliche Felsen bestimmen das Bild. Es ist, als hätten wir innerhalb weniger Minuten eine unsichtbare Grenze überschritten. Genau das fasziniert uns an Südafrika so sehr. Innerhalb vergleichsweise kurzer Distanzen erlebt man völlig unterschiedliche Landschaften und Klimazonen.

Unterwegs auf der berühmten Route 62
Bei Montagu erreichen wir die Route 62, eine der bekanntesten Panoramastraßen Südafrikas. Sie verbindet zahlreiche kleine Orte, Weingüter und Farmen und führt mitten durch die Landschaft der Halbwüste. Die Straße erinnert uns stellenweise an unsere Roadtrips durch den Südwesten der USA. Weite Täler, mächtige Bergketten und immer wieder kleine Ortschaften, in denen die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein scheint.
Vereinzelt entdecken wir noch Weinberge entlang der Strecke. Und da wir bisher noch kein einziges Weingut besucht haben, beschließen wir kurzerhand, das zu ändern. Wir halten bei einem kleinen Weingut, das neben Weinverkostungen auch Mittagessen anbietet. Während Franzi fünf unterschiedliche Weine zum Probieren bekommt, wird uns eine riesige Vorspeisenplatte mit allerlei regionalen Leckereien serviert. Brot, Käse, Oliven und verschiedene kleine Köstlichkeiten landen auf unserem Tisch. Die Jungs sind mit dem Essen beschäftigt, während wir die Aussicht auf die umliegenden Weinberge genießen. Und wieder einmal sind wir überrascht, wie gut und gleichzeitig vergleichsweise günstig man in Südafrika essen kann.

Barrydale – ein Hauch Wilder Westen
Frisch gestärkt folgen wir der Route 62 weiter in Richtung Barrydale. Der kleine Ort erinnert uns ein wenig an eine Westernstadt irgendwo im amerikanischen Hinterland. Alte Gebäude, breite Straßen und kleine Geschäfte verleihen ihm einen ganz eigenen Charme.

Besonders ein Ort hat es uns angetan: Diesel & Crème und das angrenzende Karoo Moon Motel. Schon von der Straße aus entdecken wir alte Fahrzeuge, historische Zapfsäulen und jede Menge außergewöhnliche Fundstücke. Hier scheint jemand mit einer großen Leidenschaft für Vintage-Fahrzeuge, amerikanische Straßenkultur und nostalgische Dekoration am Werk gewesen zu sein. Natürlich müssen wir anhalten.

Zwischen alten Autos, ausrangierten Flugzeugteilen und allerlei kuriosen Gegenständen gibt es für die Kinder unglaublich viel zu entdecken. Auch wir könnten vermutlich stundenlang durch dieses Sammelsurium schlendern. Wir gönnen uns noch eine Kleinigkeit, bevor es wieder zurück auf die Straße geht. Denn unser eigentliches Tagesziel liegt etwas abseits der Route 62.
Ankommen auf einer Straußenfarm
Über kleine Straßen und einen Pass fahren wir noch ein Stück weiter ins Hinterland, bis wir schließlich unsere Unterkunft erreichen. Für die kommenden zwei Nächte wohnen wir auf einer Straußenfarm mitten in der Kleinen Karoo. Schon die Anfahrt ist beeindruckend. Vor uns erstrecken sich weite Felder, die erst am Horizont von den mächtigen Bergketten begrenzt werden. Dazwischen liegen vereinzelte Farmgebäude und große Weideflächen.


Die Farm selbst wirkt fast ein wenig aus der Zeit gefallen. Alte Gebäude, gemütliche Veranden und liebevoll eingerichtete Lodges erzählen von einer langen Geschichte. Überall spürt man den Charme vergangener Jahrzehnte. Als wir unser Zimmer beziehen, entdecken wir etwas, das uns auf unserer bisherigen Südafrika-Reise noch nicht begegnet ist: Heizdecken. Und die werden wir tatsächlich noch brauchen. Denn während die Tage in der Kleinen Karoo angenehm warm und sonnig sein können, fallen die Temperaturen im südafrikanischen Winter nachts teilweise bis in die Nähe des Gefrierpunkts. Eine Zentralheizung oder Dämmung gibt es hier kaum. Da kommt eine vorgewärmte Matratze gerade recht.

Webervögel und kleine Naturbeobachtungen
Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, erkunden wir erst einmal das Gelände. Auf der Veranda des Haupthauses entdecken wir einen großen Baum, in dem ein unglaubliches Gewusel herrscht. Dutzende Webervögel fliegen zwischen den Ästen hin und her und sind emsig damit beschäftigt, ihre kunstvollen Nester zu bauen. Die kleinen Vögel flechten aus Grashalmen und Pflanzenfasern kugelförmige Nester, die wie kleine Körbe von den Ästen hängen. Besonders spannend ist, dass bei vielen Webervogelarten die Männchen die Nester bauen und die Weibchen anschließend entscheiden, ob ihnen das Bauwerk als zukünftiges Zuhause gefällt. Entsprechend fleißig wird hier gearbeitet. Wir stehen eine ganze Weile unter dem Baum und beobachten das geschäftige Treiben.


Anschließend zieht es uns zu den Straußengehegen. Die riesigen Vögel wirken mit ihren langen Hälsen, kräftigen Beinen und neugierigen Blicken irgendwie ein wenig tollpatschig. Gleichzeitig haben sie etwas unglaublich Faszinierendes. Wenn sie mit ihren großen Füßen über den Boden laufen und ihre Köpfe ruckartig bewegen, erinnern sie uns tatsächlich ein wenig an Dinosaurier. Die Jungs sind begeistert.
Gourmetküche mitten auf der Farm
Als es langsam dämmert, machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Ein kurzer Spaziergang führt uns quer über das Farmgelände zum Haupthaus.

Dort wartet die nächste Überraschung. Während die gesamte Farm eher rustikal und ursprünglich wirkt, wird uns am Abend ein Essen serviert, das wir so mitten in der Kleinen Karoo überhaupt nicht erwartet hätten. Ein Gang folgt auf den nächsten, liebevoll angerichtet und mit unglaublich viel Geschmack. Wir sitzen gemütlich am Kamin, genießen die verschiedenen Köstlichkeiten und können kaum glauben, was für ein besonderer Ort diese Farm ist.

Draußen ist es inzwischen stockdunkel geworden. Und als wir nach dem Essen zurück zu unserer Lodge laufen, wartet bereits das nächste Naturschauspiel auf uns. Ein Sternenhimmel wie im Death Valley funkelt über uns. Keine Straßenlaternen, keine hell erleuchteten Städte und kaum künstliches Licht, das den Nachthimmel überstrahlen könnte. Stattdessen spannt sich ein unglaublicher Sternenhimmel über die weite Landschaft. Wir bleiben stehen, legen die Köpfe in den Nacken und schauen einfach nur nach oben. So einen klaren und beeindruckenden Sternenhimmel haben wir zuletzt während unserer Reise durch die USA gesehen.
Die Milchstraße zieht sich wie ein helles Band über den Himmel und überall entdecken wir neue Sternbilder. Es ist vollkommen still. Nur hin und wieder hören wir ein Tier in der Ferne. Solche Momente lassen sich nicht auf einem Foto festhalten. Man muss sie einfach erleben.

Es weckt das Farmlife um 6 Uhr Morgens.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker früh. Heute dürfen wir die Farmer bei ihrer morgendlichen Arbeit begleiten und beim Füttern der Tiere helfen. Warm eingepackt klettern wir auf die Ladefläche eines Pick-ups. Neben uns stehen große Eimer voller Futter. Dann geht es los. Wir fahren über die weitläufigen Wege der Farm, vorbei an Feldern und Gehegen. Zuerst werden die Schweine versorgt, anschließend sind die Strauße an der Reihe. Und das ist tatsächlich ein wenig einschüchternd. Denn während wir das Futter von der Ladefläche verteilen, laufen die riesigen Vögel direkt neben und hinter unserem fahrenden Pick-up her. Mit ihren langen Hälsen und kräftigen Schnäbeln kommen sie uns dabei ziemlich nahe. Die Jungs beobachten das Ganze mit großen Augen.

Am höchsten Punkt der Farm wartet schließlich noch eine ganz besondere Begegnung. Hier lebt eine kleine Herde Springböcke. Zwischen den eleganten Antilopen entdecken wir allerdings ein Tier, das so gar nicht dazupassen möchte. Ein Zebra. Unsere Gastgeber erzählen uns, dass es von seiner ursprünglichen Herde ausgestoßen wurde und inzwischen von den Springböcken aufgenommen worden ist. Seitdem lebt es gemeinsam mit ihnen auf der Farm. Ein ziemlich ungewöhnlicher Anblick. Während die Springböcke vorsichtig zum Futter kommen, trottet das Zebra ganz selbstverständlich hinterher. Offenbar hat es seine neue Familie gefunden. Wir beobachten die ungleiche Gruppe noch eine ganze Weile, bevor es zurück zum Haupthaus geht.
Frühstück, Farmstall und ein entspannter Nachmittag
Nach der morgendlichen Fütterungsrunde haben wir uns unser Frühstück redlich verdient. Und auch hier überrascht uns die Farm erneut. Neben frischem Brot, Obst und allerlei Leckereien wartet eine riesige Käseauswahl auf uns – so umfangreich, wie wir sie seit Wochen nicht mehr gesehen haben.

Den restlichen Tag wollen wir ganz entspannt angehen lassen. Wir fahren ein wenig durch die Umgebung und machen einen Abstecher nach Heidelberg, wo wir in einem kleinen Farmstall einkehren. Diese Mischung aus Hofladen, Café und Restaurant lieben wir in Südafrika besonders. Meist gibt es regionale Produkte, frisch gebackenes Brot, Kuchen, eingelegtes Gemüse und allerlei hausgemachte Spezialitäten. Man kann gemütlich essen, ein paar Leckereien für unterwegs mitnehmen und bekommt gleichzeitig einen kleinen Einblick in das Leben der Region.

Zurück auf unserer Farm verbringen wir den Nachmittag auf der Terrasse unserer Lodge. Die Sonne wärmt angenehm, vor uns liegt die weite Landschaft der Kleinen Karoo und für einen Moment gibt es überhaupt keinen Grund, irgendwo anders sein zu wollen. Die Kinder spielen, wir genießen die Ruhe und lassen die vielen Eindrücke der vergangenen Tage noch einmal Revue passieren.
Abschied von der Kleinen Karoo
Am nächsten Morgen heißt es nach einem ausgiebigen Frühstück wieder Koffer packen. Wir verlassen die Straußenfarm und folgen erneut der Route 62 durch die faszinierende Landschaft der Kleinen Karoo. Immer wieder fahren wir an privaten Wildreservaten vorbei und entdecken in der Ferne Giraffen oder Zebras. Obwohl wir während unserer Reise durch den Krüger-Nationalpark bereits so viele beeindruckende Tierbegegnungen erleben durften, ist es jedes Mal wieder etwas Besonderes, wilde Tiere in der Landschaft zu entdecken.

Unser nächstes Ziel ist ein privates Game Reserve. Dort werden wir die kommenden Nächte in einem Safarizelt verbringen, mitten in der Natur und umgeben von wilden Tieren. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Einige der schönsten Tierbegegnungen unserer gesamten Südafrika-Reise liegen noch vor uns.
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