Vorher Teil 2: Pinguine suchen auf der Kap-Halbinsel lesen
Der Roadtrip beginnt
Am nächsten Morgen verlassen wir Kapstadt. Unser Weg führt uns zunächst nach Stellenbosch, rund 50 Kilometer östlich der Metropole. Schon während der Fahrt verändert sich die Landschaft. Die Stadt liegt umgeben von sanften Hügeln und kilometerlangen Weinbergen.

Stellenbosch gilt als eine der bekanntesten Weinregionen Südafrikas. Das merkt man bereits beim ersten Spaziergang durch die Stadt. Historische, weiß getünchte Gebäude im kapholländischen Stil säumen die Straßen. Dazwischen liegen kleine Läden, Galerien, Restaurants, Cafés und natürlich unzählige Vinotheken. Wir lassen uns ohne festen Plan durch die Gassen treiben, schauen in einige Geschäfte hinein und genießen die entspannte Atmosphäre.
Obwohl sich in Stellenbosch vieles um Wein dreht, lohnt sich ein Besuch auch mit Kindern. Die Innenstadt ist überschaubar, es gibt zahlreiche Cafés und viele Weingüter in der Umgebung bieten große Gärten, Spielmöglichkeiten oder Picknickplätze.

Für uns ist Stellenbosch allerdings nur eine Zwischenstation. Unser eigentliches Tagesziel liegt wieder an der Küste: Hermanus. Hinter Stellenbosch fahren wir durch die Weinberge zurück Richtung Meer und folgen anschließend der Küste entlang der bekannten Whale Coast Route.
Von nun an wandern unsere Blicke ständig zwischen Straße und Ozean hin und her. Da draußen müssen sie irgendwo sein: die Wale, die in den südafrikanischen Wintermonaten in die geschützten Buchten an der Kapküste kommen. Ich war schon immer fasziniert von Meeresbiologie und kann diese Begeisterung inzwischen wunderbar an die Kinder weitergeben. Also halten auch Leo und Casper aufmerksam Ausschau nach einer Flosse, einem Blas oder einer Bewegung an der Wasseroberfläche.

Auf halber Strecke halten wir an einem einfachen Parkplatz. Wir öffnen die große Kofferraumklappe unseres Mietwagens und packen frisches Brot, Aufstriche, Oliven und die Leckereien aus, die wir uns zuvor auf einem Markt besorgt haben. Picknick a la Roadtyping.
Noch entdecken wir keinen Wal. Aber vor uns liegt der tiefblaue Ozean. Es geht vorbei an Betty’s Bay, wo eine weitere Kolonie Afrikanischer Pinguine lebt, geht es weiter nach Hermanus.
Ankommen in Hermanus – zwei Welten direkt nebeneinander
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Hermanus, einen kleinen Küstenort rund 120 Kilometer südöstlich von Kapstadt. Der Ort ist vor allem für eines bekannt: seine Wale. Doch bevor wir die ersten Meeresriesen entdecken, bekommen wir noch einen ganz anderen Eindruck von Südafrika.
Auf dem Weg zu unserer Unterkunft fahren wir entlang eines der großen Townships am Stadtrand. Schon rund um Kapstadt sind uns diese Siedlungen aufgefallen, doch hier wird uns noch einmal besonders bewusst, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten in Südafrika sein können.

Entlang der Straßen herrscht ein buntes Treiben. Kleine Verkaufsstände bieten frisches Obst und Gemüse an, Menschen sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und überall spielt sich das Leben direkt vor den Häusern ab. Nur wenige Straßen weiter erreichen wir unsere wunderschöne Lodge. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Während wir uns in unserer gemütlichen Unterkunft mit allem Komfort einrichten, ist das geschäftige Leben des Townships noch immer in der Ferne zu hören. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, zwei so unterschiedliche Welten direkt nebeneinander zu erleben. Und eines, das uns auf unserer Reise durch Südafrika immer wieder beschäftigt.
Nach einem langen Tag auf der Straße bestellen wir uns etwas zu essen und verbringen den Abend vor dem offenen Kamin. Überhaupt verstehen es die Südafrikaner, sich den Winter gemütlich zu machen. Sobald die Sonne untergeht, wird es empfindlich kalt. Die Temperaturen fallen teilweise auf fünf Grad oder weniger und in vielen Unterkünften lodert am Abend ein gemütliches Feuer.

Wale beobachten in Hermanus – ganz ohne Boot
Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen. Direkt von unserer Lodge führt ein Spazierweg zum berühmten Hermanus Cliff Path. Der gut angelegte Küstenweg schlängelt sich entlang der felsigen Klippen und gilt als einer der schönsten Orte weltweit, um Wale direkt vom Land aus zu beobachten. Besonders zwischen Juni und November kommen Südliche Glattwale in die geschützten Buchten vor Hermanus. Hier paaren sie sich und bringen ihre Jungen zur Welt, bevor sie später wieder in die nährstoffreichen Gewässer des Südpolarmeeres zurückkehren.

Für mich als begeisterten Hobby-Meeresbiologen ist das natürlich ein absolutes Highlight unserer Reise. Schon seit Tagen halte ich bei jeder Fahrt entlang der Küste Ausschau nach einer Rückenflosse oder dem charakteristischen Blas eines Wals. Und heute sollen wir endlich Glück haben. Zunächst entdecken wir allerdings ganz andere Tiere.
Der Weg entlang der Klippen ist wunderschön angelegt. Zwischen den Felsen wachsen unzählige Pflanzen, die selbst im südafrikanischen Winter in den unterschiedlichsten Farben blühen. Während Franzi und ich immer wieder auf den Ozean hinausblicken, haben Leo und Casper ganz andere Dinge im Kopf. Überall auf dem Weg krabbeln kleine Raupen, die natürlich allesamt gerettet werden müssen. Also werden sie vorsichtig aufgehoben und an einen sicheren Platz zwischen den Pflanzen gesetzt.

Auch kleine Klippschliefer entdecken wir zwischen den Felsen. Die putzigen, etwas rundlichen Säugetiere sehen auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Murmeltier und Meerschweinchen aus. Tatsächlich gehören sie aber zu einer völlig anderen Tiergruppe und sind überraschenderweise entfernte Verwandte der Elefanten.
Zwischendurch beobachten wir sogar einen Mistkäfer, der emsig seine kleine Kugel vor sich herschiebt. Es ist unglaublich, wie viele Tiere man hier auf wenigen Metern entdecken kann. Nur die Wale lassen noch auf sich warten.
Immer wieder begegnen uns entlang des Cliff Paths Sicherheitsmitarbeiter, die ein Auge auf die Besucher und die Umgebung haben. Einer von ihnen bemerkt schließlich, wie aufmerksam wir das Meer absuchen. Er deutet hinaus auf eine kleine Bucht. Dort soll gerade ein Wal gesichtet worden sein. Wir bleiben stehen und versuchen, zwischen den Wellen etwas zu erkennen.

Und tatsächlich! Plötzlich steigt nur wenige Meter vor der Küste eine kleine Fontäne aus dem Wasser. Unser erster Wal! Wir setzen uns auf eine der Bänke und beobachten gespannt die Wasseroberfläche. Kurz darauf taucht ein gewaltiger dunkler Rücken auf, verschwindet wieder und hinterlässt eine große kreisförmige Bewegung im Wasser. Und dann passiert etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben. Je länger wir auf das Meer schauen, desto mehr Wale entdecken wir. Dort draußen ist nicht nur einer. Es sind unglaublich viele! Manche liegen fast regungslos an der Oberfläche, andere zeigen ihre Flossen oder lassen immer wieder ihren Blas in die Luft steigen. Wir waren die ganze Zeit so sehr darauf konzentriert, weit draußen nach den Tieren zu suchen, dass wir die Wale direkt vor unserer Nase beinahe übersehen hätten.
Ein Wal direkt unter uns
Ein Stück weiter führt der Weg zu einer kleinen Bucht. Dort liegt tatsächlich ein riesiger Südlicher Glattwal keine zehn Meter vom Ufer entfernt im Wasser. Wir können unser Glück kaum fassen. Ganz ruhig treibt der Meeresriese an der Oberfläche. Immer wieder hebt sich sein gewaltiger Körper leicht mit den Wellen, bevor er wieder ein Stück untertaucht. Wir stehen einfach nur da und beobachten ihn. Kein Boot, kein Motorengeräusch und keine anderen Menschen, die versuchen, möglichst nah an das Tier heranzukommen. Nur wir, die Felsen und dieser unglaubliche Wal.

Es sind genau diese Begegnungen, die uns auf unseren Reisen am meisten berühren. Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu dürfen, ohne sie dabei zu stören, ist für uns jedes Mal etwas ganz Besonderes. Und ich glaube, spätestens jetzt hat auch unsere Kinder die Begeisterung für die großen Meeressäuger endgültig gepackt.
Nach so vielen aufregenden Momenten meldet sich langsam der Hunger. Wir spazieren zurück in die Stadt, suchen uns ein gemütliches Café und stärken uns erst einmal.

Anschließend besuchen wir das Whale Museum in Hermanus. Das kleine Museum beschäftigt sich mit der faszinierenden Welt der Wale, ihrer Lebensweise und der Geschichte des Walfangs an der südafrikanischen Küste. Gerade nach unseren Beobachtungen am Vormittag ist es spannend, noch etwas mehr über diese gewaltigen Tiere zu erfahren. Vor allem die Größe der Wale wird hier noch einmal besonders deutlich. Südliche Glattwale können bis zu 17 Meter lang werden und ein Gewicht von mehreren Dutzend Tonnen erreichen. Wenn man sich vorstellt, dass wir vor wenigen Stunden einem dieser Riesen fast auf Augenhöhe begegnet sind, ist das schon ziemlich verrückt.
Ein Farmers Market voller Blumen und Leckereien
Am nächsten Morgen steht vor unserer Weiterreise noch ein kleiner Abstecher auf dem Programm. Unsere Gastgeber haben uns einen lokalen Farmers Market empfohlen. Solche Märkte lieben wir. Hier kaufen vor allem Einheimische ein, treffen sich auf einen Kaffee und versorgen sich mit frischem Obst, Gemüse, Blumen und regionalen Spezialitäten.

Schon beim Betreten des Marktes duftet es nach frisch gebackenem Brot und Kaffee. Zwischen den Ständen entdecken wir riesige Blumensträuße, darunter natürlich auch die für Südafrika so typischen Proteas. Dazu gibt es frisches Gemüse von den umliegenden Farmen, Kunsthandwerk, selbst gemachte Aufstriche und allerlei Leckereien. Wir lassen uns Zeit, schauen uns die verschiedenen Stände an und kaufen schließlich frisches Brot, Aufstriche und ein paar Kleinigkeiten für die Weiterfahrt. Denn heute steht noch eine längere Fahrt durch eine ganz andere Landschaft an.
Abschied vom Meer – auf in die Kleine Karoo
Nach zwei wunderschönen Tagen in Hermanus verabschieden wir uns von der Küste. Unser Weg führt uns nun ins Landesinnere, in Richtung der Kleinen Karoo. Noch einmal blicken wir auf den tiefblauen Ozean, bevor die Straße durch weite Felder und sanfte Hügel führt. Gerade jetzt im südafrikanischen Winter ist die Landschaft unglaublich grün. Überall wächst das Getreide, dazwischen leuchten gelbe Rapsfelder und die Berge am Horizont wirken beinahe unwirklich.
Je weiter wir fahren, desto deutlicher zeichnen sich die mächtigen Gebirgszüge vor uns ab. Irgendwo dahinter soll eine völlig andere Landschaft auf uns warten. Trockener, rauer und viel weiter. Und genau dorthin führt uns unser nächstes Abenteuer. Die Kleine Karoo – mit ihren einsamen Straßen, alten Farmen, Straußen und einem Sternenhimmel, den wir so schnell nicht vergessen werden.
Der nächste Abschnitt unserer Familienreise entlang der Garden Route – Warum wir uns wie im Wilden Westen fühlen lest ihr im nächsten Teil. >> zum Teil 4








Leave a comment
All comments are moderated before being published.
This site is protected by hCaptcha and the hCaptcha Privacy Policy and Terms of Service apply.